„Allein gegen Hilter“ erschienen heute bei SPON (Auszug):
„Um 21 Uhr 20 am Abend des 8. November 1939 explodierte eine Bombe im Münchner Bürgerbräukeller. Sie riss acht Menschen in den Tod und verletzte 63 weitere. Der Mann, dem sie galt, Adolf Hitler, kam ohne jeden Kratzer davon – er hatte den Saal 13 Minuten zuvor verlassen, anders als ursprünglich angekündigt.
Das Attentat hatte der schwäbische Schreinergeselle Georg Elser ein volles Jahr lang vorbereitet. Am 8. November 1938 war er erstmals nach München gefahren, um dabei zu sein, wenn Adolf Hitler mit 2000 bierseligen „Alten Kämpfern“ der NSDAP die Erinnerung an den Marsch auf die Feldherrnhalle, den misslungenen Putschversuch im Jahre 1923 zelebrierte. Elser mischte sich unter die Besucher und beobachtete das Schauspiel. Dabei gewann er die Überzeugung, dass der Bürgerbräukeller ein geeigneter Ort für ein Attentat auf Hitler sein würde. (…)
„Ich stellte allein Betrachtungen an, wie man die Verhältnisse der Arbeiterschaft bessern und einen Krieg vermeiden könnte“, erklärte er später im Gestapo-Verhör. Elser war sich im Klaren, dass er durch sein Attentat den NS-Staat nicht würde aus den Angeln heben können, aber er hoffte, ihm doch eine andere, gemäßigte Richtung geben zu können „Ich war davon überzeugt, dass der Nationalsozialismus die Macht in seinen Händen hatte und dass er diese nicht wieder hergeben werde“, sagte er im Verhör. „Ich war lediglich der Meinung, dass durch die Beseitigung der genannten drei Männer eine Mäßigung in der politischen Zielsetzung eintreten wird.“ (…)
Sofort nach der Tat wucherten im ganzen Reich die Gerüchte. Viele Deutsche glaubten angesichts der wundersamen Errettung des „Führers“ an einen fingierten Anschlag zur Erhöhung von Hitlers Popularität. Diese These erhielt ungewollte Nahrung dadurch, dass niemand vor Gericht gestellt wurde. Tatsächlich kam Elser ins Konzentrationslager Sachsenhausen bei Berlin, gegen Kriegsende dann nach Dachau nahe München. Erst nach dem deutschen „Endsieg“ wollte Hitler einen Schauprozess mit Elser veranstalten, am liebsten im besiegten London. Am 5. April 1945, der „Endsieg“ war in weite Ferne gerückt, gab das Reichssicherheitshauptamt Anweisung, Elser „in absolut unauffälliger Weise … zu liquidieren“. Eigentlich sollte dies im Zuge eines Luftangriffs geschehen, aber die SS hatte in jenen Tagen andere Sorgen als die Vertuschung eines einzelnen Mordes. Als der Befehl am 9. April in Dachau eintraf, wurde Elser sofort erschossen und seine Leiche verbrannt.
Aber das Drama um den mutigen Hitler-Gegner Elser war damit noch nicht zu Ende. Auch nach dem Krieg wurde er in Deutschland verfemt statt gewürdigt. Der prominente evangelische Theologe Martin Niemöller, einer der führenden Köpfe der „Bekennenden Kirche“, der selbst im KZ gesessen hatte, verbreitete das Gerücht, Elser sei SS-Unterscharführer gewesen und das Attentat nur fingiert. Der Tote konnte sich gegen diese Infamie nicht mehr wehren. Er war eben kein Offizier, Professor, Unternehmer oder wenigstens von Adel, sondern nur ein kleiner Handwerker – und damit ohne jede Lobby. Elsers Mutter schrieb an Niemöller, sie müsse „doch besser wissen als ein Außenstehender“, was ihr Sohn gewesen sei und was nicht. Doch der Theologe fertigte die Mutter in seiner Antwort ziemlich kaltschnäuzig ab – obwohl er zugeben musste, dass er Elser nie gesehen hatte und er reines Hörensagen verbreitet hatte.
Es dauerte mehr als ein halbes Jahrhundert, bis Georg Elser die verdiente Anerkennung erfuhr. Lange schreckte die deutsche Öffentlichkeit vor Elser zurück, denn vielleicht ahnte sie, wie die Historiker Peter Steinbach und Johannes Tuchel schreiben, „dass es mit der Verkommenheit der politischen Eliten noch schlimmer bestellt gewesen war, als man vermutete, wenn ein einfacher Schreiner den verbrecherischen Charakter des Regimes durchschaut hatte“. (…)“
In Gedenken - Inna lillah, wa inna ilaihi radschi’un




