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Auszug aus dem Artikel “Lila Latzhose contra Burka”, der am 29.1.2010 in der Frankfurter Rundschau veröffentlich wurde:

(…) Seit zwei Wochen streiten sich deutsche Feuilletons darüber, wie die Lebenssituation muslimischer Frauen in Deutschland einzuschätzen sei. Ob sie besonders stark unter einem familiären Patriarchat zu leiden hätten, und – wenn ja – in welcher Weise sich der Staat gesetzgeberisch einmischen sollte.

Egal, was sonst noch alles über die Bedrohung des Abendlands und der Aufklärung geraunt wird, um exakt diese beiden Elemente geht es: einmal die sachliche Einschätzung – trifft die Diagnose zu? Und zweitens um die Paternalismusfrage – sind Verbote die beste Therapie? Die Schweiz und Frankreich machen es vor: Man kann Minarette verbieten, Kopftücher, Burkas … Der Fantasie scheinen keine Grenzen gesetzt zu sein.

Diese neue Lust am feministisch begründeten Gesetzesvorstoß kommt so überraschend wie eine Rosenknopse im Winter. Gerade zwölf Jahre ist es her, dass der Bundestag “Vergewaltigung in der Ehe” als Straftat definiert hat. Strengere Gesetze gegen Gewaltpornographie werden (vielleicht zu Recht) als zu starker Eingriff in die Meinungsfreiheit betrachtet und Frauenquoten (vermutlich zu Unrecht) als Gängelung der Privatwirtschaft.

Bei all diesen Topoi hat sich bisher nie eine breite Mehrheit gefunden – erst jetzt ist Deutschland im Feminismus geeint, wo es nur um eine Teilmenge der Bevölkerung geht. Da liegt der Verdacht nahe: eben weil es nur eine Teilmenge ist und diese Prise Feminismus dem allgemeinen deutschen Michel nichts abverlangt.

Doch Verdacht hin oder her: Helfen Verbote wie der Burka-Bann, den zum Beispiel Nicolas Sarkozy in allen französischen Ämtern, Bussen und Schulen durchsetzen will? Gewiss nicht. Um eines klarzustellen: Ich “befürworte” das Tragen von Burkas nicht. Wenn ich es befürworten würde, würde ich eine tragen. Ich befürworte aber das Recht von Frauen, und zwar jeder Frau, Ämter und Behörden aufzusuchen, ohne dort schlechter behandelt zu werden als andere; ich befürworte das Recht jeder Frau, Nahverkehrsmittel zu benutzen und sich ungehindert in der Öffentlichkeit zu bewegen. (…)

Um aber von der Therapie zur Diagnose zurückzukommen: Steckt denn unter jeder Burka eine tyrannisierte Frau? Wir wissen es nicht. Noch hat niemand mit ihnen gesprochen, es gibt keine Untersuchungen dazu, es gibt ja auch kaum welche. Wozu wir stattdessen viel Material besitzen, ist das Leben von Musliminnen mit Kopftuch – zwischen dem und der Burka natürlich wesentliche Unterschiede bestehen.

Anders als die Burka schränkt das Kopftuch Frauen bei keiner physischen oder sozialen Aktivität ein. Dennoch würden viele Deutsche am liebsten das Kopftuchtragen verbieten. Dabei lassen sich über Frauen mit Kopftuch zwei empirisch gut belegte Aussagen treffen. Erstens: Sie sind völlig verschieden. Es gibt Feministinnen unterm Kopftuch und Duckmäuserinnen, Traditionalistinnen und Neo-Orthodoxe, Modebewusste und Keusch-sich-Verhüllende. Zweitens: Sie alle sind alltäglicher Diskriminierung seitens der Mehrheitsbevölkerung ausgesetzt.

Schon die bestehenden Kopftuchverbote an Schulen sind bedenkliche Eingriffe in das Recht eines jeden, sich in Deutschland nach eigenem Gutdünken kleiden zu dürfen. Weitere Verbote helfen nicht, sondern sind letztlich nur Signale: Wir wollen euch hier nicht. Bereits jetzt begegnen Musliminnen in Deutschland oft genug einer Atmosphäre des Misstrauens und des wohlfeilen pauschalen Mitleids. Damit wird ihr Handlungsspielraum nicht erweitert, sondern eingeschränkt; sie werden nicht ermutigt, sondern belächelt oder gar verachtet. Feminismus ist etwas ganz anderes.

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Motiviert durch einen Blogeintrag von McDugan, dessen Inhalt sich auf eine zahnärztliche Behandlungsverweigerung bezog, weil der Patient “Cihad” hieß, poste ich hier einen Auszug aus dem Buch “Jihad’ – nicht ‘Heiliger Krieg”, herausgegeben vom Islamischen Zentrum Hamburg e.V.:

»Jihad«*, ein arabisches Wort, das für die »permanente Auseinandersetzung des Gläubigen mit dem Bösen in der Welt« steht, wird bis zum heutigen Tag irrtümlich dem Begriff »Heiliger Krieg« gleichgesetzt.

Es ist unser Anliegen, diese Polemik des Abendlandes an einem zentralen islamischen Begriff zu entkräften, um ein Vorurteil zu beseitigen, das in schlimmer Weise auch für die Politik des Neokolonialismus mißbraucht wurde. Vielfach wurde und wird versucht, die islamische Lehre dadurch zu entstellen, daß ihre äußeren Aspekte zwar beibehalten, ihre eigentlichen Inhalte aber verschwiegen oder sogar gänzlich ihres Sinnes beraubt werden: so wird beispielsweise »Jihad« – dieses allumfassende Ringen um Gerechtigkeit und Wahrheit- als »Heiliger Krieg« mißinterpretiert.

(…)

Der Begriff »Jihad« stammt von der arabischen Wurzel »Jahd«, d.h. Mühe, Mühsal. Im Islam meint»Jihad« die»permanente Auseinandersetzung des Gläubigen mit den Bösen in der Welt«. Wir können die Bedeutung von »Jihad« jedoch solange nicht begreifen, ehe wir uns nicht über ein anderes wichtiges islamisches Prinzip im klaren sind, was mit »Jihad« in enger Verbindung steht: nämlich »Salam« – Frieden. Frieden ist eine der höchsten Maximen im Islam, was schon am Namen dieser Religion deutlich zu erkennen ist. So entspringen die Begriffe Islam und Salam derselben arabischen Sprachwurzel.

Zahlreiche Überlieferungen des Propheten Muhammad (Friede sei mit ihm) behandeln den Begriff »Frieden«

»Wahrlich, Gott hat den Frieden zum Gruß unserer Gemeinschaft und zur Sicherheit für all diejenigen gemacht, die unseren Schutz genießen.«

Ferner sagte der Prophet: »Frieden hat Vorrang vor dem Wort!«

(…)

Die Religion des Islam will die Menschen immer zum Frieden führen. Wenn also der Quran das Prinzip Jihad, d.h. diese Auseinandersetzung des Gläubigen mit dem Bösen bekräftigt, so nur deshalb, weil dadurch Frieden verwirklicht werden soll! Nur aus diesem Grund ist im Rahmen von Jihad auch der Kampf gegen jene Menschen zulässig, die den Frieden unter den Menschen stören, Unheil stiften und die Menschen ihrer Freiheit berauben. Jihad ist jedoch niemals ein für sich alleinstehendes Ziel. Es ist lediglich ein Mittel, um Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden unter den Menschen zu begründen.

»Jihad« bezieht sich auf den Kampf des Menschen mit den Faktoren des Bösen, d. h. auf sein permanentes Ringen auf individueller, gesellschaftlicher, wissenschaftlicher, politischer und wirtschaftlicher Ebene um eine Veränderung hin zum Guten. Daher kann »Jihad« auch nicht als heiliger Krieg übersetzt werden, denn dies würde die weite Bedeutung des Begriffes völlig einengen und verfälschen.

Jihad ist mit einem bestimmten Ziel verbunden: die »ständige Auseinandersetzung des Gläubigen« findet auf dem Wege Gottes (arabisch »fi sabilillah«) statt: jemand, der eine andere Zielsetzung als Gott besitzt und nicht die Verwirklichung der göttlichen Grundsätze bei der Ausübung von Jihad anstrebt, wird diesem Prinzip nicht gerecht werden können. Eine Überlieferung (Hadith) berichtet:

»Prophet Muhammad wurde einmal gefragt, was mit demjenigen geschehen werde, der sich um der Belohnung willen anstrengt. Daraufhin antwortete der Gesandte Gottes: »Er wird nichts erreichen!«

Der Mann, der seine Frage dreimal wiederholte, bekam immer wieder dieselbe Antwort: »Er wird nichts erreichen!-… denn Gott wird keine Handlung akzeptieren, es sei denn, sie würde mit aufrichtigem Herzen und um seine Zufriedenheit zu erlangen, ausgeführt!«

»Jihad«, diese Auseinandersetzung des Gläubigen mit den Faktoren des Bösen hat nichts anderes zum Ziel, als Gott und die Annäherung an Ihn, die höchste Norm des Daseins. Jihad wird grob in zwei Bereiche eingeteilt: in den Kampf des Menschen gegen sein Ego (arabisch »Jihadun-Nafs«) und in die verschiedenen Formen des Widerstreits zwischen den Gläubigen und den Faktoren, die Wahrheit und Gerechtigkeit zu beseitigen versuchen.

Der erste Bereich stellt im Gegensatz zum zweiten eine immer gültige Verpflichtung des Gläubigen dar. Denn der Islam sieht das Innere des Menschen als einen Schauplatz des fortwährenden Kampfes zwischen Gut und Böse, zwischen Wahrheit und Unwahrheit an. Zwar unterstellt der Islam die Herrschaft der Welt nur einer Größe, nämlich Allah, demgegenüber keine andere Macht treten kann; doch das Innere des Menschen stellt die Szenerie eines ständigen Widerstreits zwischen allem Guten, Positiven, Schönen und allem Unrechten, Verwerflichen und Bösen dar.

Deshalb bedeutet »Jihadun-Nafs«, der Kampf gegen das Ego, eine immerwährende Anstrengung des Menschen, die negativen Elemente, Einflüsterungen des Bösen und Begierden zu überwinden und die positiven Neigungen zu fördern, damit der Mensch seine moralische, glaubensmäßige und menschliche Vollkommenheit erreichen kann.

Der eigentliche Feind des Menschen ist der Mensch selbst. Die negativen Auswüchse des Daseins, die feindseligen und unterdrückerischen Tendenzen des Menschen sind im Fehlen seiner Selbstvervollkommnung begründet. Daher sprach der Prophet des Islam folgende Worte:

»Bekämpft eure Begierden und Lüste in eben solchem Maße, wie ihr eure Feinde bekämpft.«

Er hat die Bedeutung dieser Form des »Jihad« gegen das Ego als größer bezeichnet als den »Jihad« gegen die Feinde des Islam: »Als eine Gruppe von Muslimen von einer Schlacht zurückkehrte, sprach der Prophet: >Seid willkommen, die ihr den kleinen Jihad ausgeführt habt. Es soll euch Wohlergehen. Dennoch bleibt der große Jihad für euch bestehend Daraufhin fragten sie den Propheten, was er denn mit >großer Jihad< (Jihad-ul Akbar) meinte. Der Prophet antwortete: >Es ist der Kampf gegen das Ego und die Begierden des Menschen !«

(…)

Mit dem ständigen Kampf gegen das Ego und der Läuterung des Herzens sollen auch die Wurzeln des gesellschaftlichen Unheils, der Unterdrückung und Ungerechtigkeit beseitigt werden, damit sich die Ummah (die islamische Gemeinschaft) in Richtung eines gesunden Individuums als auch einer gesunden Gesellschaft entwickeln kann. (…)

(Onlinebuch “Jihad” – nicht “Heiliger Krieg”)

Auszug aus dem Artikel “Unter Hasspredigern” von Daniel Bax, erschienen heute in der taz:

(…) Mit ihrem Mantra, der Islam sei eine Religion der Gewalt und der Intoleranz, haben sich die Bestsellerautoren Kelek und Broder einen Namen gemacht, viel Geld verdient und Preise eingeheimst. Da sollten doch ein paar Nachfragen erlaubt sein: etwa, worauf die beiden sendungsbewussten Publizisten ihr Urteil stützen – außer auf ein Potpourri willkürlich zusammen getragener Fakten und Halbwahrheiten, die sie in ein ideologisch festgezurrtes Weltbild fügen. Für wen die beiden eigentlich sprechen außer für sich selbst – und für jene Zeitungen, die so gerne ihre Texte drucken, sowie jenes Publikum, das ihnen dankbar applaudiert. Und nicht zuletzt, auf welchem Wege sie ihr Projekt einer “Eindämmung” des Islam gerne umgesetzt sehen möchten.

Denn die “westlichen Freiheitswerte”, die Kelek und Broder so vehement verteidigen, sollen für gläubige Muslime nur eingeschränkt gelten. Beide haben sich zum Beispiel gegen den Bau der Moschee in Köln ausgesprochen, wobei Broder eine Art Tauschgeschäft vorschlug: Erst wenn im saudischen Riad Kirchtürme und bauchfreie Tops zugelassen wären, solle man bei “uns” Moscheen und Minarette erlauben. Das nannte Claudius Seidl ganz treffend einen “Rassismus, der sich seiner selbst nur nicht bewusst ist”.

Die große Popularität, die Necla Kelek als “Islamkritikerin” in Deutschland genießt, beruht dabei auf einem doppelten Missverständnis. Ihre Fans und Verehrer glauben, in ihr eine “authentische Stimme” gefunden zu haben, die den Islam aus persönlich schmerzhafter Erfahrung heraus kenne und nun quasi “von innen” heraus kritisiere.

Das ist zwar Quatsch, schließlich ist ja auch ein Deutscher nicht allein aufgrund seiner Herkunft schon ein Experte für das Christentum oder die Geschichte Europas. Doch im Fall von Necla Kelek, Seyran Ates, Ayaan Hirsi Ali oder dem Ägypter Hamed Abdel-Samad, dem neuen Shootingstar der populären “Islamkritik”, verfängt dieser Authentizitätsmythos, der durch ein geschicktes Biografiemarketing gefüttert wird. Von ihren Bewunderern wird ihnen deshalb eine größere Kompetenz und Autorität zugesprochen als vielen Wissenschaftlern und Experten.

Hinzu kommt das Missverständnis, Necla Kelek & Co würden eine unbequeme oder gar unterdrückte Meinung über den Islam vertreten. Dabei ist ihre Meinung nicht nur für viele Deutsche sehr bequem, können sie sich doch in ihren Vorurteilen bestätigt fühlen. Doch auch für Muslime bieten sie wenig Neues. Denn die Ansicht, für die Rückständigkeit der Muslime sei vor allem der Islam verantwortlich zu machen, ist in den meisten islamischen Ländern seit der Kolonialzeit nur allzu bekannt. (…)

Wer die Türkei kennt, der kennt deshalb auch den paternalistischen Tonfall, mit dem Necla Kelek über religiöse Muslime spricht. In diesem Ton spricht das alte, säkulare Bürgertum in Ankara, Izmir oder Istanbul über das einfache Volk, das es für einen einfältigen und religiös verblendeten Pöbel hält, den es am liebsten von der Demokratie ausschließe würde. Und dieser Herrschaftsdiskurs ist auch in arabischen Ländern verbreitet, nicht wenige Diktatoren verteidigen damit ihre Vormachtstellung. Wer diesen Snobismus für subversive Religionskritik hält, der weiß nichts von der muslimischen Welt. (…)

Diesen Wahnvorstellungen zugrunde liegt die Idee, der Islam sei eine quasi unveränderliche Kultur und Muslime bildeten eine eigene Menschengattung, eine Art “Homo islamicus”. Dieser “ewige Muslim”, wie ihn seine Gegner zeichnen, unterdrückt seit jeher Frauen und hat eine Affinität zu jeder Form von Gewalt. (…)

Was bräuchte die Islam-Debatte, damit sie sich nicht ständig im Kreis der immer gleichen Vorurteile dreht? Mehr Empirie. Denn die meisten Umfragen, wissenschaftlichen Studien und statistischen Daten über Muslime in Deutschland widerlegen die vielen Klischees, die Islamgegner wie Necla Kelek und Henryk M. Broder so gerne pflegen. Mehr Expertise. Viel zu oft werden Wissenschaftler, die sachlich zum Thema Integration und Islam arbeiten, von Broder und seinen Freunden mit Häme überzogen.

Nicht wenige von ihnen sind deshalb mit ihren Wortmeldungen vorsichtiger geworden. Und mehr Pluralismus: Die meisten Muslime in Deutschland haben kein Problem damit, ihren persönlichen Glauben mit dem Grundgesetz oder dem Leben in Deutschland in Einklang zu bringen. Sie sollten in diesen Debatten mehr Gehör finden, gerade weil sie nicht bloß einer interessierten Öffentlichkeit nach dem Mund reden. Denn schließlich geht es angeblich um sie.

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Auszug aus “Der Protest wird breiter” aus der taz vom 31.1.2010:

Immer mehr gemäßigte israelische Kräfte schließen sich dem wöchentlichen Protest gegen die Vertreibung palästinensischer Familien aus Ostjerusalem an. “Manchmal ist es unmöglich zu schweigen”, begründete der Schriftsteller David Grossman am vergangenen Freitag sein Kommen.

In dem palästinensischen Viertel Scheich Dscharrah, in dem im vergangenem August mehrere Häuser von Siedlern besetzt wurden, waren die jüngsten Proteste immer gewaltsamer geworden. 25 linke Aktivisten hatten das vorvergangene Wochenende hinter Gittern verbringen müssen, bis ein Gericht über die Legitimität der Protestveranstaltung entschied.

“Es kommen immer mehr Akademiker und Meretz-Politiker”, meint Sahar Vardi, Aktivistin der “Anarchisten gegen die Mauer”. Damit werde die Veranstaltung weniger “von den extremen Linken bestimmt”. Am vergangenen Freitag blieb es auch dann noch ruhig, als der rechtsextreme Itamar Ben-Gvir mit rund 15 Aktivisten aus dem national-religiösen Lager auftauchte und sich mit riesigen Israelflaggen im Abstand von kaum 50 Metern postierte.

Der Konflikt der beiden Lager macht sich an drei Häusern fest, die symbolisch für die von den Siedlern angestrebte Judaisierung der Stadt stehen. Auf gerichtliche Anweisung wurden im Frühjahr 2009 und Anfang August mehrere Familie zu nachtschlafender Zeit von Polizisten aus ihren Wohnungen vertrieben. Die Sicherheitskräfte räumten die Wohnungen und warfen die Möbel auf Müllhalden, um Platz für die Siedler zu machen. (…)

Maher Hannun kam 1956 zusammen mit 27 weiteren Flüchtlingsfamilien nach Scheich Dscharrah, bis er im vergangenen Sommer zum zweiten Mal vertrieben wurde. Wenige Jahre nach dem Sechstagekrieg, in dessen Verlauf das umstrittene Gebiet an Israel fiel, erreichte die Flüchtlinge eine Aufforderung, künftig Miete zu zahlen. (…)  Hannun weigerte sich, Miete zu zahlen, ließ sich aber schließlich doch auf eine Einigung ein, die ihnen uneingeschränktes Mietrecht einräumen sollte. Damit erkannte er indirekt die von den Komitees beanspruchten Besitzverhältnisse an.

(…)  Die Ansiedlung von Juden sei eine reine Provokation. Informationen der linken Organisation “Ir Amim” zufolge planen die aus dem Ausland finanzierten Siedler in Scheich Dscharrah den Neubau von 200 Wohneinheiten für Juden.

Sollte der Prozess fortgesetzt werden, den jüdischen Anspruch auf Grundstücke rückwirkend anzuerkennen und die Familien, die über Jahrzehnte in den Häusern gewohnt haben, zu vertreiben, könnte das politische Konsequenzen haben. Zwar gäbe es für Palästinenser keine rechtliche Möglichkeit, Grundstücksansprüche aus den Jahren vor 1948 geltend zu machen, sagt Orly Noy, Sprecherin von “Ir Amim”, dennoch könnte eine kollektive Petition, auch wenn sie nur symbolisch wäre, Israel “in eine peinliche Lage sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Bühne bringen”.

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Gestern gesehen bei 3satbörse, Auszug aus der Reportage “Die Schattenseiten der Globalisierung”:

Die Rinder sind das einzige, was die Nomaden in Burkina Faso besitzen. Der westafrikanische Staat gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. 90 Prozent der Menschen leben hier von der Landwirtschaft. Die Milch ist die einzige Einnamequelle der Bauern. Für 20 Liter gibt es umgerechnet gerade einmal drei Euro. Doch das Geld brauchen sie dringend für Kleidung, Hütten und Schule.

Aissata Baree sammelt die Milch der Bauern in ihrer kleinen Molkerei – einer Ecke in ihrem Wohnzimmer. Die frische Milch wird schnell abgekocht – bei 32 Grad verdirbt sie sonst. 80 Liter kommen hier am Tag zusammen. Doch der Umsatz deckt gerade mal die Ausgaben. Milchpulver aus Europa macht das Geschäft kaputt. „Das Milchpulver ist viel billiger als unsere Milch. Dabei ist unsere Milch viel nahrhafter. Aber gegen das Milchpulver kommen wir nicht an. Das ist das Problem“, so Aissata Baree.

Im Supermarkt des Dorfes kostet der Liter frische Milch umgerechnet 70 Cent. Gleich daneben stapelt sich das Milchpulver zum halben Preis. Am billigsten ist es aus dem 25–Kilo Sack und kostet gerade einmal 30 Cent. Ein Großteil davon kommt aus Europa, wo mehr produziert als getrunken wird. Zwar sollen Milchquoten die Produktion in Europa begrenzen. Doch trotzdem liegt das Angebot weit über der heimischen Nachfrage. Damit die Milch nicht in den Lagerhallen der EU versauert, gehen die Überschüsse ins Ausland. Auch nach Afrika.

Rund 40 Prozent der EU-Milch kommt auf Märkte im Ausland. Dank der Agrarsubventionen der EU kann das Milchpulver besonders billig angeboten werden. Immer wieder unterstützt die EU die Ausfuhr noch mit zusätzlichen Zahlungen. „Die einheimischen Bauern können mit den niedrigen Preisen nicht mithalten und stellen deshalb die Produktion ein, im Gegenzug schotten die EU und die USA ihre Märkte vor den Entwicklungsländern ab, so dass sich keine Möglichkeit haben, ihre Produkte zu verkaufen“, erklärt Dr. Thilo Bode von Foodwatch. (…)

Dennoch bleibt den Bauern keine andere Wahl als weiter ihre Milch feilzubieten. Doch das billige Milchpulver droht ihre Existenzgrundlage zu zerstören. Erst wenn es in Europa einen freien Milchmarkt gibt, haben sie wieder eine faire Chance.

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Auszug aus “Nach dem 11.9. haben sich Geheimgefängnisse und Verschleppungen verbreitet” von Telepolis:

Ein Bericht für den UN-Menschenrechtsrat weist darauf hin, dass neben den USA und deren Komplizen zahlreiche Staaten im Namen der Terrorbekämpfung schwere Menschenrechtsverletzungen begangen haben. (…)

Ein geschichtlicher Überblick soll zeigen, dass Geheimgefängnisse im Rahmen von Antiterrormaßnahmen kein neues Phänomen darstellen, sondern seit dem Nazi-Regime mit dem Nacht-und-Nebel-Erlass und der Sowjetunion mit dem Gulag oft benutzt wurden, um die Opposition verschwinden zu lassen und zum Schweigen zu bringen. In den 1970er und 1980er Jahren war die Praxis in Lateinamerika verbreitet, in dem rechtsgerichtete, oft von den USA unterstützte Regimes Oppositionelle verschwinden ließen. Dann habe sich die Praxis auch in Afrika, Asien, Europa und dem Nahen Osten verbreitet.

Nach dem 11. 9. hätten nicht nur die USA, sondern zahlreiche Länder in allen Regionen Geheimgefängnisse eingerichtet oder sich an der ebenso gegen fundamentale Menschenrechte verstoßende Praxis des heimlichen Entführens und Verschleppens (rendition) beteiligt bzw. Verschleppte in eigenen Gefängnissen verschwinden lassen, verhört und gefoltert. Eine besondere Rolle in diesen extralegalen Systemen spielen natürlich die Geheimdienste, die auch eng mit denen aus anderen Staaten zusammenarbeiten, beispielsweise im Ausland verdeckte Operationen durchführen dürfen.

Unter dem Deckmantel der Antiterrormaßnahmen habe es in jüngster Zeit Geheimgefängnisse und geheime Festnahmen in China, Indien, Iran, Nepal, Pakistan, den Philippines und Sri Lanka gegeben, in Turkmenistan, Usbekistan und Russland, in Algerien, Ägypten, im Irak, Israel, Jordanien, Libyen, Saudi Arabia, Syrien und Jemen, im Kongo sowie in Gambia, im Sudan, in Uganda, Eritrea, Äquatorialguinea and Simbabwe.

Geheimgefängnisse haben die USA nicht nur in Afghanistan und im Irak betrieben, sondern auch in anderen Ländern, die mitspielten und Gefangene aufnahmen und oft folterten. Der Bericht nennt Jordanien, Ägypten, Syrien, Marokko, Pakistan, Äthiopien, Dschibuti und Usbekistan, in denen es “proxy detention sites” für die CIA gegeben hat. Als Komplizen haben Staaten wie Großbritannien, Deutschland (genannt werden die Fälle Khaled El-Masri, Murat Kurnaz, Muhammad Haydar Zammar und Abdel Halim Khafagy), Kanada und Australien. Auch Italien und Kenia werden als Komplizen genannt. Dazu kommen zahlreiche Staaten, die beim CIA-Rendition-Programm mitgespielt oder die Flüge mit den Gefangenen geduldet haben. Aufgeklärt wurde wenig, auch in Deutschland hielten sich die rot-grüne und die schwarz-rote Regierung möglichst bedeckt, wenn man es höflich ausdrückt. Man deckt sich weiter gegenseitig. (…)

Die Autoren schreiben, sie seien sehr besorgt, dass viele der Opfer in vielen Ländern Angst für sich und ihre Familienmitglieder gehabt hatten, bei diesem Bericht mitzuarbeiten. Praktisch habe es keine juristische Verfolgung von Anschuldigen geheimer Festnahmen gegeben, niemand sei zur Rechenschaft gezogen worden. Überdies hätte fast keiner der unschuldig Festgehaltenen irgendeine Form der Entschädigung oder eine Rehabilitation erhalten.

Der Bericht fordert dazu auf, dass die schweren Menschenrechtsverletzungen im Rahmen von Antiterrormaßnahmen dringend verurteilt und in Zukunft verhindert werden müssen. Zwar verbiete das internationale Recht ganz klar geheime Festnahmen und Geheimgefängnisse, aber es sei notwendig diese explizit als schwere Menschenrechtsverletzung zu verbieten. Zudem sollten alle Anklagen gegen unrechtmäßige Festnahmen und “renditions” von unabhängigen Organisationen untersucht und Schuldige, sowie deren Vorgesetzte und Komplizen vor Gericht gestellt und bestraft werden. Es dürfe keine Auslieferung von Gefangenen mehr an Staaten geben, die im Verdacht stehen, dass sie diese misshandeln oder foltern könnten. Opfer und Familienmitglieder müssen entschädigt werden.

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Gedanken von Abu Bakr Rieger zum Thema Sufismus:

Über viele Jahre war es zwischen Muslimen nicht einfach, Fragen wie “Was ist Sufismus?” zu stellen. Die Debatte war oft geprägt von dumpfen Vorurteilen gegen den Sufismus, der von manchen destruktiven Gegnern sogar als “Abspaltung” denunziert wurde. Heute ist es fast ein wenig paradox, noch immer den “Sufismus” als einen etwaigen Irrweg verteidigen zu müssen, da ja heute gerade die Sufis öffentlich über die Zakat und die fünf Säulen, also den Islam selbst, sprechen und für ihn eintreten.

Aber es ist natürlich dennoch kein Schaden, sich kurz auf einige Aspekte des echten Sufismus zurück zu besinnen.

Es mag sein, dass einige Ignorante dem Sufismus noch immer eine gewisse Egozentrik, die Neigung zur Esoterik oder eine Vorliebe für den Individualismus unterstellen und damit eine Haltung gegen die eigentlichen Ziele der Muslime, also der Bildung von Gemeinschaft, ein Leben nach den Grundsätzen der Sharia und der Erfüllung ihrer wichtigsten Maßgaben, so beispielsweise die Etablierung von Gebet und Zakat. Natürlich gibt es unzählige Aussagen unserer authentischen, berühmten Gelehrten zu den angesprochenen Vorurteilen. So wendet sich beispielsweise Schaikh Ibn Adschiba gegen jede Form der “Egozentrik” oder des “Individualismus” im Islam:

“Islam kann man nicht wirklich alleine praktizieren. Im „sich absondern“ oder im „Einzelgängertum“ liegt wenig Gutes. So sind selbst die grundlegenden und verpflichtenden Fünf Säulen des Islam in der Isolation nicht wirklich zu praktizieren: Für die Schahada – das Einheitsbekenntnis – benötigt man mindestens zwei Zeugen; das Gebet hat – in Gemeinschaft verrichtet – einen wesentlich größeren Segen; die Zakat – die verpflichtende Vermögensabgabe – kann man weder selbst einsammeln, noch an sich selbst zahlen; im Ramadan ist man bei dessen Beginn, seinem Ende und beim notwendigen Feiertagsgebet auf die Gemeinschaft angewiesen, und die Hadsch schließlich ist allein vollzogen noch nicht einmal denkbar.”

Gegen die Zerfallsform der Esoterik, also einer Spirtualität ohne Islam, wenden sich über alle Jahrhunderte unzählige Gelehrte, wie beispielsweise Schaikh Ibn al Arabi, dem der folgende Spruch zugeordnet werden kann: “Kommt ein Schaikh angeflogen und sagt: ‘verlass die Shariat’, dann verlass ihn”.

Schon Maulana Rumi, natürlich in erster Linie ein praktizierender Muslim, wusste von der möglichen Gefahr, der Trennung des Islam und des Sufismus. Er stellte klar: “Ich bin der Sklave des Qur’an so lange ich lebe. Ich bin Staub auf dem Wege Muhammads, des Auserwählten. Wenn jemand meine Worte auf eine andere Art und Weise auslegt, dann bedauere ich ihn und dessen Worte.”

Zweifellos basiert der wahre Sufismus auf der Grundlage absoluter Einheit. Die Erfahrung der Einheit setzt voraus, dass man das “Objekt” und das “Subjekt” – wie man das auch beispielsweise in der modernen Literatur eines Luigi Pirandello nachvollziehen kann – gleichermaßen als Illusion entlarvt. Der Sufismus korrespondiert gleichzeitig mit den Einsichten der modernen Philosophen. Da man, wie Heidegger es lehrt, grundsätzlich verfallen ist an die Welt, involviert in Gerede und geworfen in einen Kontext von Weltanschauungen, gehört zu der Gewinnung eines tieferen Ortes immer wieder eine geistige und spirituelle Anstrengung. Um diese Anstrengung kreisen die Übungen des Sufismus. Die Auflösung des “Ich”, das in der Losung “stirb bevor du stirbst” steckt, ist die Aufhebung jeder Idee einer Trennung.

Die Frage, was ein Sufi ist, beantwortet Schaikh Abdalqadir as-Sufi in seinem Klassiker “Der Weg Muhammads (was) so: “Ein Mann, Eine Frau, der/die sich selbst erkennt und damit die Wirklichkeit”.

Der Sufi ist nichts anderes als ein Reisender auf dem Weg zu Allah, einer der fortlaufend Veränderungen sieht, der in der Lage ist, sein „Selbst“ zu reinigen und spirituelle Erleuchtung zu erlangen.

Schaikh Asch-Schadhili beschreibt die folgenden, einfachen “Eigenschaften” der Sufis: „Der Sufi ist ein anbetender Diener, der die Pflichten seines Dienstes erfüllt. Er ist wahrhaftig, treu und rechtschaffen. Er zieht den armen Mann dem reichen vor. Die kleine Menge der großen und das niedrige dem hohen. (…) Der Sufi lächelt, wenn er begrüßt wird. In seinem Gespräch ist er angenehm. Wenn er um etwas gebeten wird, gibt er. Wenn andere Geheimnisse verraten, bewahrt er diese. Auch wenn er Fürsten kennt, ist er nicht stolz und verachtet die Armen nicht. Er verkauft das Jenseits nicht für diese Welt. Durch Allah ist er reich, Ihm trägt er seine Anliegen vor, Ihm gibt er, von Ihm ist er abhängig und er fürchtet niemanden außer Allah. Er vertraut einzig auf Allah.“

Zu Recht kann man sagen, die Eigenschaften des guten Muslim und des guten Sufis sind schlicht identisch.

Der “Sufismus”, wie wir ihn verstehen, braucht deswegen auch keine besondere “Institutionalisierung”, beharrt nicht auf Namen, bestünde dann doch die Gefahr, den Eindruck zu befördern, als sei der Sufismus eine Art Sonderbezirk im Islam. Hierher gehört die wunderbare, mahnende Aussage des Imam Dschunayd: “Diese Sache (der Tasawwuf) war einst eine Wirklichkeit ohne Namen, nun ist sie ein Name ohne eine Wirklichkeit.” Es geht um die Wirklichkeit, es geht um Eigenschaften, nicht um Namen.

Der Tasawwuf wurde in im Laufe der islamischen Geschichte auf verschiedene Art und Weise bestimmt. Bei Schaikh Schafiqu’r-Rahman (Defense of Sufism) finden wir folgende Definition: „Tasawwuf ist eine von mehreren islamischen Wissenschaften (‘Ulum). Wie viele andere islamische Wissenschaften auch war diese in der Lebenszeit des Propheten, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, weder unter diesem Namen, noch in ihrer entwickelten Form bekannt. Dies mindert jedoch nicht ihre Legitimität. Es gibt viele islamische Wissenschaften, die ihre jetzige Form erst Jahre nach dem Propheten annahmen. Dazu zählen die Prinzipien des Rechts (Usul Al-Fiqh) oder die Hadith-Methodologie (‘Ulum Al-Hadith).“ Tasawwuf ist eine ­islamische Einrichtung, die ihre ­Quellen und ihre Gültigkeit aus dem Qur’an und der prophetischen Sunna ableitet. Die Lehren des Sufismus stehen in keiner Art und Weise im Widerspruch zur Schari’a.”

In einem umfassenderen Sinne bedeutete Tasawwuf die Vervollkommnung von Iman und Islam, die durch Ihsan erlangt wird. Der Edle Prophet, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, sagte: „Iman bedeutet, dass ihr an Allah glaubt, Seine Engel, Seine Bücher, Seine Gesandten, an das Leben nach dem Tod und an Qadr, das Gute wie das Schlechte darin. Islam ist, dass ihr bezeugt, dass es keinen Gott gibt außer Allah und dass Muhammad der Gesandte Allahs ist, dass ihr das Gebet einrichtet, im Monat Ramadan fastet, die Zakat bezahlt und die Pilgerfahrt nach Mekka verrichtet. Ihsan ist, dass ihr Allah anbetet, als ob ihr Ihn sehen könntet; selbst wenn ihr Ihn nicht sehen könnt, so kann Er euch doch sehen.“

Leider sind heute die meisten Muslime in merkwürdige Parteiungen eingeteilt und betonen das Trennende. Es herrschen Nationalismen, die auf einem islamfeindlichen Rassismus basieren. Man wird schnell in “Sekten” aufgeteilt und separiert. Schaikh Ibn Adschiba rät in seinem berühmten Klassiker über die Grundlagen des Islam und die Wegmarken des Sufismus:

“Wisse, dass die Versammlung eine der größten und wichtigsten Säulen für die Leute (des Sufismus) ist. Einer der Sufis hat gesagt: „Sufismus ist auf drei Dinge aufgebaut: Versammlung, Zuhören und Folgen“. Wer von den Brüdern abgesondert und mit sich selbst beschäftigt ist, von dem kommt nichts. Die Muminun sind wie Schafe: Wenn eines von ihnen vom Rest der Herde getrennt ist, wird es zum Ziel der Wölfe. Allah der Erhabene hat uns aufgefordert, zusammen zu kommen, indem Er sagt: „Kommt zusammen für die rechten Handlungen und Taqwa. Kommt nicht zusammen für die falschen Handlungen und Übertretungen.“

In der Sura Ali Imran, 190/191 heißt es: In der Erschaffung der Himmel und der Erde, und dem Wechsel zwischen Tag und Nacht, darin sind Zeichen für Leute, die verständig sind: solche [Leute], die Allahs im Stehen, im Sitzen und im Liegen gedenken und über die Erschaffung der Himmel und der Erde nachdenken [und darauf hin sagen]: “Unser Herr, Du erschufst die nicht umsonst [ohne Sinn darin]. Gepriesen seist Du! Bewahre uns vor der Strafe des Feuers.”

Der Prophet, möge Allah ihm Segen und Frieden geben, sagte: „Wer zusammen kommt, um Allah den Mächtigen, den Majestätischen zu gedenken, und damit nichts anderes beabsichtigt als Sein Antlitz, die wird ein Rufer von den Himmeln rufen und sagen: ‘Erhebt euch! Euch ist alles vergeben. Eure falschen Handlungen sind in gute Handlungen verwandelt worden.’“ Er sagte auch, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben: „Allah hat eine Gruppe von Engeln, die umherziehen und an den Versammlungen des Gedenkens auf der Erde halt machen. So grast auf den Weiden des Gartens.“ Sie sagten zu ihm: „Wo sind die Weiden des Gartens?“ Er antwortete „Die Versammlungen des Gedenkens an Allah. So kommt und geht in das Gedenken an Allah und erinnert euch daran, dass derjenige, der seinen Rang bei Allah wissen möchte, wissen muss, was Allah für ihn bedeutet. Allah der Erhabene gibt dem Sklaven die Position, die der Sklave Allah gibt.“ Er sagte auch, möge Allah ihn Segen und ihm Frieden geben: „Erinnert euch selbst“ – das bedeutet dass ihr euch gegenseitig erinnert. Gegenseitiges Erinnern ist die größte Art des Dhikr denn es liegt Wissen darin. Das Gedenken an Allah und die Versammlungen des Dhikr erhalten ihre Wirklichkeit durch die Versammlung von Wissen, Dhikr und gegenseitiger Erinnerung.

Die Notwendigkeit, „Miteinander zu sein“, gilt in aller Einfachheit und ist unabhängig von einem (angeblichen) geistigen Rang. Niemand hat das Recht, wegen eines besonderen Zustandes, sich abzusondern. Diese Regel erklärt Schaikh Ibn Adschiba anhand einer kleinen Anekdote:

Schaikh Asch-Schadhili, möge Allah mit ihm zufrieden sein, hatte einen Schüler, der mit ihm zu sitzen pflegte und dann damit aufhörte. Eines Tages traf er ihn und sagte zu ihm „Warum kommst du nicht mehr und hast dich abgesondert?“ Der Schüler sagte zu ihm „Ich wurde unabhängig von Dir durch Dich.“ Schaikh Asch-Schadhili, möge Allah mit ihm zufrieden sein, sagte zu ihm: „Wenn jemand durch jemand anderen unabhängig werden würde, dann wäre Abu Bakr As-Siddiq unabhängig geworden vom Sitzen mit dem Gesandten Allahs – aber er blieb bei ihm, bis er starb.“ Das sich Versammeln mit den anderen abzubrechen, oder aufzuhören, den Schaikh zu besuchen, ist für den Faqir eine der größten Barrieren (auf dem Pfad), und Allah der Erhabene weiß es am Besten.

Bis zum heutigen Tage gibt es Tariqats, deren Authenzität außer Frage steht und deren Echtheit von jedem Muslim geprüft werden kann. Die Übergabe einer Tariqat an ein Familienmitglied kann dabei nur ausnahmsweise richtig sein. Jede echte Tariqat wird sich aktiv involvieren, in die Verteidigung des Islam, des Propheten und in den Wettsstreit um die Etablierung der fünf Säulen des Islam. Imam Al-Junayd sagte: “Tasawwuf ist, dass du mit Allah bist ohne Verbindung, und dass seine Wahrheit dein Ich verschwinden lässt und dann dich mit ihm zurück zum Leben bringt”.

Jede Zeit hat ihre eigenen Herausforderungen. Unser heutiges Leben ist wie nie zuvor von ökonomischen Bedingungen geprägt, die die Schöpfung bedrohen, herausfordern und uns vom Schöpfer trennen. Es war wiederum Imam Al-Dschunaid, der sagte: „Absolutes Vertrauen bedeutet, dass ihr euch vollkommen eurem Herrn widmet und dass ihr all eure Aufmerksamkeit von dem abwendet, was unter ihm ist.“

Besonders wenn es um unsere ökonomische Versorgung geht, die uns heute alle bestimmt und so sehr sorgt, ist es schwer, “spirituell” zu sein. Vom Khalifen ‘Umar ibn Al-Khattab, möge Allah mit ihm zufrieden sein, wird berichtet, dass er folgendes Hadith überliefert hat: „Allahs Gesandter, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, sagte: ‘Wenn euer Vertrauen wirklich und wahrhaftig auf Allah ruht, dann wird Er euch versorgen, wie Er die Vögel versorgt. Diese beginnen ihren Tag mit leerem Magen und beenden ihn mit vollem Magen.“

Alles in allem kann man wohl sagen, dass man den Sufismus am Besten verteidigt, in dem man den Islam und seinen Propheten verteidigt. Die Schöpfung verteidigt man heute, in dem man die Zakat etabliert und das offenbarte Maß einhält.

Flüssigkeiten, und dazu noch heiße, mag mein Laptop nicht … Mist. Jetzt muss er erst einmal trocknen und mit viiiiiieeeeeeeel Glück, geht er vielleicht auch wieder an. Hmmmmm, ich weiß schon, warum ich ein eher pessimistischer Mensch bin. Da ist die Enttäuschung am Ende nicht ganz so groß. Noch ärgerlicher ist, dass er noch nicht mal ein Jahr alt ist und die Garantie oder eine Versicherung bei meinem Mißgeschick sicher nicht greifen werden.

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